26.02.2019,

Glasperlenspiel – Backstage ist wie ein Überraschungsei

Autor: Angelina (musikiathek.de) Kategorien: Backstage-BerichteInterviews

Ein ganzer Tag mit Glasperlenspiel auf ihrer Licht und Schatten Tour durch Deutschland. Wir haben sie für euch am 17. Februar im FZW Dortmund einen Tag lang Backstage begleitet.

Glasperlenspiel und die Crew: ein perfekt eingespieltes Team

Glasperlenspiel, die Band um Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg, sind auf ihrer Tour mit einem vollgepackten 40 Tonner unterwegs, den es gilt zu entladen, zahlreiche Cases in die große Konzerthalle des Freizeitzentrums West zu schieben, Videowände aufzustellen, zu verkabeln und alle Instrumente an ihren Platz zu bringen.

Für den reibungslosen und zügigen Ablauf sorgt eine 7 Mann und Frau starke Crew, die wie selbstverständlich und eingespielt agiert. Jeder weiß, was zu tun ist – und das zu jedem Zeitpunkt.

Gerade noch in Bremen, sind sie am Folgetag pünktlich um 12 Uhr in Dortmund angekommen und fangen mit dem Aufbau an. Bereits eine Stunde später ist alles an seinem Platz und das meiste sogar schon verkabelt.

Nach und nach trudeln die Musiker ein und beziehen ihre Backstageräume. Carolin hat eine Assistentin für ihr Make Up dabei und wird im „Mädels Backstage“ geschminkt.

Die Atmosphäre hinter den Kulissen ist zu diesem Zeitpunkt sehr gelassen und ruhig.

Soundcheck – mal eben kurz für klasse Sound sorgen

Um 15 Uhr beginnt dann der eigentliche Soundcheck. Die gesamte Band trifft vorbildlich schon 10 Minuten vor Soundcheckbeginn an der Bühne ein.

Ob das wohl immer so ist? Wo bleibt der Klischee Rock ‚n‘ Roll oder die Popstar Allüren?

Bei Glasperlenspiel ist davon nichts zu erleben. Alle sind wahnsinnig diszipliniert, nett und sehr zuvorkommend. Ganz klar zu erkennen „die machen das hier nicht zum ersten Mal“. Arbeitserleichterung für alle Seiten.

Alle Instrumente werden gecheckt und alle Einstellungen auf dem Mischpult gespeichert. Kurz noch Vocals Check und schon werden ein paar Lieder angestimmt. „Heute ist der In-Ear-Sound super gut“, meint Daniel ganz begeistert. Nach 30 Minuten ist der Soundcheck schon erledigt.
Holly, der Produktionsleiter der gesamten Show, verrät mir später, dass es heute sogar recht lange gedauert hat: „Meistens sind sie schon nach 20 Minuten durch mit allem“.
Ich bin eher überrascht, wie flott und reibungslos der Soundcheck verlief.

Hinter den Kulissen / die Ruhe vor dem Sturm

Carolin und die Band ziehen sich nach der Probe noch für ein paar Stunden ins Hotel zurück. Daniel bleibt im Backstageraum, setzt sich an einen Tisch, klappt den Laptop auf und…. „Hey Daniel, darf ich dich stören“? Daniel: „Ja na klar, komm ruhig rein“ „Arbeitest du oder ist das gerade eher privat?“, frage ich ihn. Daniel: „Genau, ich arbeite eigentlich immer zwischendurch, wenn ich Luft habe. Es sind ja doch einige Dinge, die immer so anfallen. Meistens bereite ich Social Media Postings vor oder beantworte E-Mails.“ Wir unterhalten uns eine kurze Zeit, bis ich mich nochmal auf den Weg zur Bühne mache.

Dort werden zu diesem Zeitpunkt noch die Videoleinwände und ein paar Strahler geprüft und getestet. Sind alle Lämpchen an, gibt es Pixelfehler? Nebenbei wird die Pyrotechnik vorbereitet. Heute Abend gibt es jede Menge Streamer, die in das Publikum geschossen werden.

Ich laufe eine Runde, schaue mal, was noch so los ist. Es ist sehr still im Backstage und auf den Gängen. Selbst im Cateringbereich ist gerade nichts los.

Glasperlenspiel haben beim Konzert in Dortmund die Band KUULT dabei, die gerade ankommt. Ähnliches Prozedere, ankommen, ausladen, aufbauen…. Soundcheck. Auch hier verläuft alles sehr eingespielt und entspannt ab.

Ich ziehe mich auch kurz zurück, fange noch ein paar Momente mit meiner Kamera ein und setze mich in den Cateringbereich und fange an diesen Bericht zu schreiben. Dabei habe ich meine Bose Kopfhörer auf und genieße die Quiet Funktion. Lange bleibe ich nicht alleine. Der Lichttechniker von Glasperlenspiel setzt sich zu mir, packt seinen Laptop aus, setzt seine Sony Kopfhörer auf. Ich erkenne sofort, dass auch diese eine Quiet Funktion haben. Wir schauen uns kurz an, nicken und schmunzeln anerkennend und klinken uns in unsere beiden „stillen Welten“. Mir fehlt heute allerdings die Ruhe, um ein langes Durchhaltevermögen vorzuweisen. Dieser Bericht findet dann doch erst am Abend nach dem Konzert sein Ende.

Die letzten Backstage Vorbereitungen laufen an

Gegen 18:30 Uhr wird es im FZW Dortmund wieder etwas unruhiger. Die Band kommt aus dem Hotel und es gibt Essen im Catering. Alle setzen sich gemeinsam hin und stärken sich für die Show.
Um 19:45 Uhr bekommen Daniel und Carolin noch Besuch vom Radio NRW für ein Interview. Ich warte solange und bereite mich auch noch kurz auf mein Interview vor, das direkt im Anschluss stattfinden soll.
Währenddessen laufen die Jungs von KUULT an mir vorbei und begeben sich in Richtung Bühne. Pünktlich um 20 Uhr eröffnen sie den Abend. Die Halle ist gut gefüllt.
Schon wenige Minuten später kann ich zu Glasperlenspiel in den Raum. Der „Mädelsraum“ muss für das Interview herhalten und die nächsten 13 Minuten gehören mir und meinen Fragen über Dinge, die schon tausendmal im Backstage liegen geblieben sind und welche Macken Daniel so hat.

Im Interview mit Glasperlenspiel

Angelina: „Ich habe gelesen, dass ihr beiden aus Stockach am Bodensee kommt?“
Carolin: „Genau, ich komme aus Singen. Daniel kommt aus Stockach.“

Angelina: „Dazu muss ich euch erzählen, dass ich letztes Jahr zum ersten Mal in Stockach war, und das über Weihnachten. Und das was ich da in Unmengen gesehen habe, waren Apfelplantagen. Waaaaaahnsinnig viele Apfelbäume. Damit kommen wir auch schon direkt zu meiner ersten Frage: Was ist eure Lieblings-Apfelsorte?“
Carolin: „Geil, das hat uns noch nie einer gefragt. Finde ich super. Ich würde sagen Jona Gold. Die kauft auch meine Oma schon immer.“
Daniel: „Ich sage Elstar. Jona Gold und Elstar sind aber glaube ich auch die einzigen beiden Apfelsorten, die ich kenne.“

Angelina: „Habt ihr Äpfel denn auch auf eurem Catering Rider stehen?“
Daniel: „Ne. Also Obst steht drauf, aber keine spezielle Sorte. Eher so „saisonale Früchte“ steht drauf.“

Angelina: „Was steht noch auf eurem Rider und darf auf keinen Fall fehlen?“
Daniel: „Red Bull“
Carolin: „Und Weißwein. Und auch gerne lokale Spezialitäten.“

Angelina: „Bei so einem typischen Tourtermin. Die Crew kommt an, lädt euren 40Tonner aus und fängt mit dem Aufbau an. Ihr kommt an….Was ist das erste, das ihr aus dem Auto mitnehmt?“
Carolin: „Wenn ich aussteige, nehme ich auf jeden Fall meine Tasche mit. Ich überlege dann, ob ich meinen Koffer brauche, oder ob ich noch in das Hotel fahre. Mache ich mich im Hotel oder im Backstage fertig – je nachdem wie weit das Hotel entfernt ist. Wenn ich dann ins Backstage gehe, ist das erste, was ich mache, zum Catering zu gehen. Kaffee trinken und eine Kleinigkeit essen.“
Daniel: „Ich nehme immer meinen Rucksack mit. Wir schreiben ja auch immer unterwegs neue Songs oder haben viele Ideen. Ich habe immer meinen Laptop dabei und sobald mir was einfällt oder ich einfach nur Lust habe an einem Beat weiterzuarbeiten, muss ich den immer griffbereit haben.“

Angelina: „Was ist denn schon tausend Mal liegen geblieben im Backstage?“
Daniel: „MacBook Netzteil! Ich glaube Apple ist so reich, weil ich schon sooo oft welche nachgekauft habe.“

Angelina: „Und die werden dann immer nachgeschickt oder wie läuft das dann?“
Daniel: „Irgendwie sind die dann immer auf mysteriöse Art und Weise verschwunden.“

Angelina: „Was war das lustigste Backstageerlebnis?“
Daniel: „Oh, das war in unseren Anfängen. Wir waren 2011 zum ersten Mal auf Tour und da war eine Station in Wien in einem Club. Ich glaube da haben 40 Menschen reingepasst. Wir sind da mit dem Nightliner gewesen und ihr glaubt es nicht, aber die Toilette und die Dusche waren eins. Ich habe in meinem Leben noch nie sowas gesehen.“
Carolin: „Das war die erste Nightliner Erfahrung. Da steigst du morgens aus und willst einfach nur duschen…. Ähhhhh ja…. Naja lustig ist das nicht.
Daniel „Stimmt, aber heute können wir darüber lachen.“

Angelina: „Wenn ihr eine Textzeile über Backstageräume schreiben müsstet, wie würde die lauten?“
Carolin: „Ein bisschen wie ein Überraschungsei, man weiß nie, was man bekommt. Es ist immer ein bisschen anders und auch sehr unterschiedlich. Du fährst vor, steigst aus und weißt eigentlich nie, was dich erwartet.“
Daniel: „Das ist auch nicht nur in Clubs so. Wir haben ja 2015 eine gesamte Stadiontour als Support von Helene Fischer gespielt und da hast du auch jeden Tag etwas anderes erlebt.“

Angelina: „Gibt es Rituale vor eurem Auftritt?“
Daniel: „Definitiv. Ich habe gelesen – das haben glaube ich Ärzte entwickelt, bevor sie operieren haben. Sie haben sich fünf Minuten so monumental hingestellt: Brust raus und sich dabei nochmal besinnen. Hierbei haben sie rausgefunden, dass sie leistungsfähiger sind, wenn sie das machen. Ich habe dann gesagt, dass ich das total geil finde und wir haben dann die gesamte Band dazu verdonnert. Und tatsächlich… bevor wir auf die Bühne gehen, stehen wir nun immer fünf Minuten gemeinsam mit Brust raus da und hören dabei meistens noch eine energiegeladene Musik. Es funktioniert tatsächlich. Das kann ich nur weiterempfehlen.“

Angelina: „Carolin, hat Daniel Macken?“
Carolin: „Ja auf jeden Fall. Daniel ist immer sehr perfektionistisch. Es muss immer alles auf dem Punkt und ganz richtig sein, auch bei der Produktion. Wenn wir ein neues Album rausbringen, dann hat Daniel mal wieder drei Nächte nicht geschlafen, Hauptsache es ist dann zum Datum alles perfekt. Ansonsten kann Daniel sich sehr gut in Rage reden. Wenn Daniel sich in irgendwas reinsteigert, gibt es kein Punkt und kein Komma. Und er fährt viel zu schnell Auto.“

Angelina: „Eine letzte Frage. Wenn ihr nicht die Musiker der Band wäret und ihr euch eine Position aus eurer Crew aussuchen dürftet. Wer wäret ihr dann?“
Carolin: „Ja, ich glaube ich würde Künstlerbetreuung machen, alles andere ist mir einfach zu technisch.“
Daniel „Ich glaube, ich wäre der Mann am Mischpult vorne, weil ich einfach Bock darauf hätte. Da hast du manchmal echt Herausforderungen und ich hätte Spaß, mich da rein zu fuchsen.“

Die 13 Minuten vergehen wie im Flug mit den beiden. Wir lachen sehr viel und ich erfahre doch einige spannende Backstageanekdoten der zwei.

Das Konzert kann beginnen

Vor dem Auftritt heißt es jetzt nochmal kurz runterfahren, umziehen, Lippenstift nachlegen und verkabeln. Um 20:45 Uhr ist Showtime.
Der Sound ist, sowie auch die Lichtshow, ein fantastisches Erlebnis für Augen und Ohren. Bereits ab dem ersten Song tanzt und singt das gesamte Publikum mit. Sowohl Glasperlenspiel auf der Bühne, als auch die Crowd ist sichtlich gut drauf. Ich schaue ausschließlich in strahlende Gesichter.
Schon nach den ersten Pyrokanonen hängt die gesamte Hallendecke im FZW mit Streamern voll. Dank Holly und meiner Setliste, die er mir schon vor der Show gab, konnte ich CO2 Booster und Streamer zeitlich gut in meine Fotografie einplanen und das ein oder andere Foto erzählt die Geschichte eines wunderbaren Konzertes.

Jetzt heißt es einfach nur den Augenblick und die Show genießen.

Jeder wunderbare Tag findet sein Ende

Ein langer, sehr spannender Tag geht zu Ende. Nach dem Konzert gönne ich der Band und der gesamten Crew eine kurze Verschnaufpause um mich dann zu bedanken für diesen wirklich tollen Tag. Ich verabschiede mich gegen 23 Uhr. Jetzt geht’s ab nach Hause, wo zahlreiche Fotos auf mich warten, ein 13 Minütiges Interview niedergeschrieben werden will und diese Backstagestory ihre Worte findet.