21.04.2019,

Es wird megageil, sobald es mehr als eine Dusche gibt – Rogers im Interview

Autor: Miriam (Zwei Drittel Krach) Kategorien: Interviews

Heute ist die vierte Show eurer Tour, gleich beim ersten Konzert habt ihr buchstäblich das Düsseldorfer Tube auseinandergenommen. Das klingt nach einem gelungenen Tourstart?

Chri: Ja, das war krass. Die kleine Sause im Tube. Da wusste man eigentlich schon irgendwie, was da auf einen zukommt. Aber das war für uns halt auch megahilfreich und interessant, so viele neue Songs dann auf einmal neu zu spielen, neu vorzustellen. Klar ist man dann selbst auch noch aufgeregt, ob das alles funktioniert, ob das alles klappt. Da war das für uns auch ganz gut und wichtig. In Hannover wurden wir echt direkt auch super empfangen – auch fast ausverkauft der Laden. Gestern in Hamburg war dann Totalabriss. Am dritten Tag schon! Ich bin mal gespannt, was jetzt noch so kommt auf der Tour. Gestern war echt hart.

Nico: Gestern war auf jeden Fall das, was wir am wenigsten erwartet hätten, glaube ich. Also Hamburg war immer gut zu uns. Generell der Norden ist immer mega, aber wir hätten nicht gedacht, dass wir innerhalb einer Tour quasi den nächstgrößeren Laden ausverkaufen. Das war schon krass.

Chri: Ich weiß nicht so genau, es waren so 800-900 Leute da. Und die Dimension hatten wir nur bei Heimspielen in Düsseldorf und das dann in Hamburg erleben zu können, das war echt phänomenal.

Aber eure Stimmen haben gelitten.

Chri: Ja, aber eher von der After Show Party. Das war nicht der ganz klügste Move. [lacht]

Wie sieht denn ein typischer Tourtag bei euch aus?

Chri: Schlafen, vom Tourmanager geweckt werden und gesagt bekommen, dass man in zehn Minuten Soundcheck hat, dann schlaftrunken zur Toilette wandern, irgendwie versuchen, wach zu werden; Soundcheck haben, Interviews führen, dann haben wir uns alle ein bisschen Freizeit eingeschoben. Zwangsfreizeit, was aber auch ganz cool ist, so für 2-3 Stunden. Und dann bereitet man sich auf das Konzert vor, spielt sich warm, singt sich ein. Was jetzt bei der Dauer der Tour auch einfach wichtig ist. Dass man seine Stimme, seine Kondition behält. Du siehst es ja schon an mir, ich bin wirklich kein Kind von Traurigkeit und ich trinke die ganze Zeit nur Tee und esse Orangen.

Habt ihr Rituale vor der Show?

Chri: Klar, auf jeden Fall immer das letzte Mal Angst-Pipi gehen.

Nico: Das habe ich gestern vergessen. Das war anstrengend auf der Bühne.

Chri: Meine Jungs bekommen von mir noch ein Küsschen. Das ist mir immer ganz wichtig. Beim Einsingen mache ich eigentlich nur den langweiligen Scheiß, irgendwelche Stimmübungen und ich schnapp mir noch ein bisschen die Akustik-Gitarre und singe mich da mit unseren eigenen Liedern ein bisschen ein. Einfach, um die Stimme warm zu machen. Das hilft mir auf jeden Fall sehr.

Dominik: Ich habe mein Warm-Up-Programm an meinem Übungspad. Eigentlich gab es früher immer ein, zwei Warm-Up-Beers. Die lasse ich diese Tour erstmal weg. [lacht]

Und Rituale nach der Show?

Dominik: Bier.

Nico: Heiß duschen! Ganz heiß duschen. So heiß, wie es geht. Also so heiß, wie der Körper zulässt, bevor er verbrennt. Und das erste Mal am Tag frische Klamotten anziehen. Das ist wirklich der Schönste Moment.

Chri: Ich gehe ganz gerne dann noch zum Merch-Stand und quatsche da noch ein bisschen mit den Leuten, drücke mich dann ein bisschen vor dem Abbauen [lacht] und vor dem Laden. Es ist aber auch immer wirklich spannend zu erfahren, wie die Leute es empfunden haben, wie die es fanden. Das macht mir immer Spaß. Also tatsächlich ein bisschen runterkommen, Spannung von der Show fällt einfach ab. Das ist ein schöner Moment des Tages.

Dominik: Bei mir ist es der Abbau tatsächlich. Da mache ich jeden Tag das Gleiche, in der gleichen Reihenfolge, bin noch mal für mich. Keiner stört mich, ich weiß genau, was ich da jetzt mache und da lasse ich die Show noch einmal für mich Revue passieren. Das ist mein Ritual zum Runterkommen nach der Show.

Gestern in Hamburg gab es für euch eine Rogers-Torte, davor Schoko-Hasen mit eurem Logo drauf. Bekommt ihr solche personalisierten Überraschungen öfter?

Nico: Es ist völlig verrückt.

Chri: Also tatsächlich ist das hier und da schon mal vorgekommen, dass wir so süße Geschenke bekommen haben. Ich denke, weil jetzt auch vermehrt Leute kommen, passiert das schon mal. Aber so oft, wie in den letzten drei Tagen, das ist echt süß. Ich freue mich da auch immer drüber. Der junge Herr – ich weiß gar nicht, wie alt er war – mit seiner Begleitung war super nett. Ich bin dann auch nochmal zu ihm gegangen, habt mich bedankt natürlich. Und er hat dann gesagt: „Das ist auch ein Dankeschön an euch.“ Wir hätten ihm mit unseren Songs durch eine schwierige Zeit geholfen. Das ist die beste Message, die man als Künstler zurückbekommen kann. Wenn man Menschen einfach berührt mit seiner Kunst – bei uns in dem Fall mit seiner Musik. Es ist megageil, dann so eine Wertschätzung zu bekommen.

Wie kann man euch Backstage, neben diesen tollen Geschenken, noch eine Freude machen?

Chri: Der Artur mag sehr gerne gekochte Eier. [lacht]

Nico: Die stehen auch drauf, aber gab’s die bisher?

Artur: Ja, die stehen jedes Mal drauf, aber es gab keine. Vita Malz haben wir vergessen! Das wäre was Feines. Aber wir sind sehr zufrieden.

Chri: Ich bin einfach immer glücklich, wenn was da ist. Auf Tour ist der Kühlschrank eh generell gefüllter als bei mir zuhause. Das stimmt mich schon deswegen glücklich. Alles gut.

Ist euch bei den Räumlichkeiten im Backstage etwas wichtig?

Chri: Nö, eigentlich nicht. Es ist jetzt schon schön, wenn man jetzt nicht direkt einen kleinen Raum neben der Bühne hat, wo du bei allen Vorbands dasitzt und dich nicht unterhalten kannst und die ganze Zeit die Vibrationen auf dem Sofa mitmachst. Ansonsten sind wir da echt schmerzfrei und auch pflegeleicht.

Nico: Es wird megageil, sobald es mehr als eine Dusche gibt. [alle stimmen sofort zu]. Das steigert den Komfort ungemein.

Chri: Und wenn in der Dusche das Wasser abläuft! Das ist schon mal richtig geil! Wenn das Wasser nicht stehen bleibt, dann ist es ein guter Tag.

Nico: Bisher waren die Duschen echt okay, aber es war bisher „nur“ eine – wir können ja froh sein, dass es eine gibt, aber mit 30 Leuten, die die ganze Zeit mitreisen, ist das natürlich heftig. Also wenn du Glück hast, ist die mal frei, aber dann hast du grad keine Zeit zum Duschen. Das ist schon schwierig.

Artur: Neben den dreißig Handtüchern, die auf dem Boden liegen.

Chri: Das ist ungefähr so wie in der Zeit als ich in einer Mädels-WG gewohnt habe mit drei Mädels. Egal wann, du bist nachts um drei aufgewacht, musstest mega pinkeln, gehst dahin. Tür abgeschlossen. Klopfst. „Ich wasche mir gerade die Haare.“ Um halb vier morgens. Wie oft das einfach vorgekommen ist! So ungefähr ist das hier auch. Ich glaube, in der Zeit war ich mehr im Garten pinkeln als auf der Toilette. [lacht]

Gibt es Backstage-Räume, die euch im Gedächtnis geblieben sind – sowohl positiv als auch negativ?

Chri: Ja! Am positivsten der Backstage-Raum im Backstage in München. Das sind so kleine Container mit so Hochbetten. Da ist auf jeden Fall schon ganz viel witziges Zeug passiert. Und da die Dusche zum Beispiel fließt nie ab. Meistens ist sie auch noch voll mit Kotze vom Vortag. Das ist immer wunderschön. Artur hatte die beste Idee dafür und hat ein Snickers in einen Ventilator gesteckt und meinte, jetzt riecht es muffig.

Nico: Ja, das war eine Megaidee. Vor allem nachts.

Chri: Wir kommen nachts irgendwann da rein, irgendwo flattert Schokolade und Nüsse und dieses Papier hängt in diesem Ventilator. Alles stinkt nach Schokolade, Kotze und nach geschreddertem Snickers. Das war richtig gut. Backstage-Backstage-Raum: Immer gut!

Dominik: In der Zeche in Bochum wollte ich duschen gehen, aber jemand war vorher auf Toilette – die Toilette stand neben der Dusche – und hat abgespült und es kam einfach alles aus der Toilette in der Dusche wieder hoch. Du konntest genau gucken, was derjenige am Tag davor gegessen hatte. Es war nämlich ein Salat mit Mais.

Artur: Aber eigentlich könnte man an dieser Stelle mal ein Riesenlob an Wiesbaden raushauen. Das ist halt wirklich Premium. Von allem: Betreuung, Duschen, Essen.

Nico: Da gibt es 20 Duschen! Und die Garage in Saarbrücken ist auch wunderbar. Wenn wir da sind, ist das auch immer ein Traum.

Artur: Es gibt schon einige gute Locations in Deutschland.

Chri: Das Backstage ist auch irgendwie cool. Das hat ja auch seinen Charme insofern gesehen, aber das ist dann auch immer…

Artur: Wenn da Techno-Party ist, dann ist sie auch bei dir – und im Bett.

Nico: Stimmt, da schläft man über der Disco.

Bei euren Shows herrscht im Publikum grundsätzlich Stadionstimmung: Ein Meer aus Fahnen, Konfettikanonen oder sogar Bengalos gehören einfach dazu. Setzt euch das vor einem Auftritt noch mehr unter Druck oder gibt das eher Aufschwung und Sicherheit, weil egal was kommt, die Zuschauer tragen euch da durch?

Letzteres auf jeden Fall. In allererster Linie macht es einfach mega Spaß. Also wirklich. Dieses Streatteam und der Fanclub und überhaupt diese ganze Gemeinde. Ich bin da – das muss ich auch wirklich mal sagen – super froh drum, dass wir so einen Schlag an Fans abbekommen haben, die da vor der Bühne stehen. Man sieht das jetzt auch mit dem Tourpaket, dass wir unterwegs sind mit Marathonmann und mit Engst. Die stehen da ab der ersten Band, haben Bock und feiern alle mit, sind offen für alles. Es ist halt eine riesige Familie und Freundezusammenkunft. So kommt es mir zumindest vor. Dass die dann zusätzlich auch noch den Bock haben, das so zu supporten und uns wiederum so auf der Bühne anzufeuern, was dann wieder zurückkommt, das sorgt dann einfach für diesen Hexenkessel. Wie Du schon sagst, das ist wirklich etwas Einzigartiges. Vielleicht ist es auch einfach das, was eine Rogers-Show viel ausmacht mittlerweile. Da kann man einfach nur Danke sagen an die Leute, die das machen!