17.04.2019,

Backstage bei Kissin‘ Dynamite auf ihrer „Europe in Ecstasy Tour“

Autor: Angelina (musikiathek.de) Kategorien: Backstage-BerichteInterviews

Ein Tag mit Kissin‘ Dynamite auf ihrer „Europe in Ecstasy Tour“. Wir haben sie für euch am 5. April in der Kantine Köln Backstage begleitet.

Dieser Moment, in dem gefühlt JEDER zum Kissin‘ Dynamite Konzert nach Köln möchte

Ein gewöhnlicher Freitag im Leben einer Backstagereporterin aus NRW. Freitag 14 Uhr von Bochum nach Köln. Na toll, Stau auf allen möglichen Routen. Das Navi kämpft minütlich mit dem Umrechnen der Strecke und meine Geduld und meine Laune hängen am seidenen Faden. Kurze Message an den Tourmanager von Kissin‘ Dynamite, mit dem ich um 15 Uhr in der Kantine in Köln verabredet bin. Ich schreibe ihm, dass ich mich vermutlich etwas verspäten werde, weil entweder heute jeder Mensch auf diesem Planeten zum Kissin‘ Dynamite Konzert nach Köln möchte oder der Verkehrsgott mich einfach nur ärgern möchte. „Hey, kein Ding“, bekomme ich als Antwort, was mein schlechtes Gewissen (ich besitze ein stark ausgeprägtes Pflichtbewusstsein) etwas beruhigen lässt.

Backstage laufen die ersten Vorbereitungen

Mit einer kleinen Verspätung komme ich an der Kantine in Köln an und werde von Joachim, dem besagten Tourmanager, ganz herzlich in Empfang genommen. Ich bekomme meinen Triple A Pass und eine kleine Führung durch den Konzertsaal und den Backstagebereich. Auf der Bühne werden gerade noch die letzten Kabel gesteckt. Ein Teil der Band steht schon bereit für den geplanten Soundcheck. Nebenbei testet der Lichttechniker die ersten Einstellungen und ich bekomme einen ersten Eindruck von dem, was mich wohl beim eigentlichen Konzert erwartet.

In der Halle an sich steht zu diesem Zeitpunkt noch so einiges herum. Kartons und Cases, Kabel und Materialien. Im hinteren Bereich der Halle wird bereits der Merchstand von Kissin‘ Dynamite aufgebaut. Saskia, die auf dieser Tour zuständig dafür ist, stellt die vorbereiteten Aufsteller mit den T-Shirts an ihren Platz, legt den Bestand bereit und baut den „Tresen“ um den Stand mit Tischen auf. Alles wird mit schwarzem Molton behängt. Hierbei zu beobachten ist die Sorgfalt und fast schon liebevolle Art, wie sie das macht. Ich habe den Eindruck, Ästhetik spielt eine große Rolle und ich stimme ihr voll und ganz zu. Denn wenn wir mal ehrlich sind, kaufen wir ja nun auch nur Dinge, die uns optisch ansprechen, die schön verpackt sind und die auf uns eine positive Wirkung haben. Auf der Tour hat die Band einige T-Shirts und natürlich auch das offizielle Tourshirt dabei. Außerdem sehe ich aber auch noch Beutel, Pullover, CDs und Vinyl. Man kann sagen, es ist für jedes Fanherz etwas dabei.

Soundcheck oder auch „Planung Deluxe“

Der Soundcheck geht unheimlich schnell. Alle rauf auf die Bühne, Instrumente in die Hand, drei kurze Ansagen und dann geht’s los. Ein Song wird gespielt, danach gibt es einen kurzen Austausch mit dem Mischer der Band – ich verstehe nur die Hälfte. Was daran liegt, dass ich zum einen nur gefährliches Halbwissen über Musiktechnik besitze, zum anderen aber auch, dass die Jungs und Teile der Crew Schwaben sind und sich mit schwäbischem Akzent unterhalten. Ups – ich befürchte, das kann heute noch sehr lustig werden. Ich versuche mich zu konzentrieren und mir nicht anmerken zu lassen, dass ich gerade das Gefühl habe, vielleicht doch etwas zu weit gefahren zu sein oder die falsche Ausfahrt genommen zu haben. Bin ich denn noch in Deutschland? Na – wie dem auch sei. Einzelne Worte wie… „ja“ oder „ne“ verstehe ich tatsächlich und versuche mir den Rest zusammenzureimen.

Ich mache ein paar Fotos beim Soundcheck, gehe näher zum Bühnenrand und Andi, der Drummer, kommt direkt um mich zu begrüßen. „Hi, ich bin Andi“ Gott sei Dank, ich verstehe, was er sagt „Und du begleitest uns heute den ganzen Tag Backstage?“ Mir fällt ein Stein vom Herzen, ich habe die richtige Ausfahrt genommen. Ich stelle mich ihm kurz vor, bis es dann auch direkt mit dem Soundcheck weitergeht.
Ich behaupte mal: der Zeitraum, in dem alle 5 Bandmitglieder auf der Bühne stehen und wirklich den Sound checken, ist nicht länger gewesen als 20 Minuten. Unfassbar schnell, sehr diszipliniert und sorgfältig.

Ein Muster wird deutlich. Wie war das, Sex Drugs und Rock `n`Roll? Man denkt an Punk Attitüden nach dem Motto: „Ach scheiß drauf“, irgendwie an „schmuddelig, verpeilt und unorganisiert“. Tourlife = Null Rock `n`Roll? FALSCH! Ganz im Gegenteil. Bei Kissin‘ Dynamite heißt es Tourlife = Planung Deluxe!

Kissin‘ Dynamite zeigen sich beim Meet & Greet sehr fannah

Nach dem Soundcheck steht ein Meet and Greet mit Fans an. In etwa 15 Fans treffen die Jungs persönlich. Eingeplant sind rund 45 Minuten, in denen viele Gespräche geführt werden, viele Fragen eine Antwort finden und sämtlicher Merchbestand von den Jungs unterschrieben wird.

Ich halte mich etwas zurück und beobachte das bunte Treiben. Es ist schön zu sehen, wie herzlich die Jungs zu ihren Fans sind und sich für jeden einzelnen Zeit nehmen.
Die Fans, die teilweise sogar aus UK angereist sind, freuen sich sichtlich, die Jungs zu treffen und mit ihnen etwas Zeit verbringen zu können.
Für jeden gibt auch noch einen Kissin‘ Dynamite Beutel mit ein paar Kleinigkeiten drin.

So bringt man Ande bereits vor der Show zum Schwitzen

Nach ca. 45 Minuten begibt sich die Band wieder in die Backstage Räume. Jetzt heißt es essen, etwas runterkommen und plaudern. Unter anderem auch mit mir. 4 Interviews gibt es an diesem Tag. Jeder ist mal dran. Ich unterhalte mich gute 17 Minuten mit dem Gitarristen Ande über Backstagesituationen und darüber, wie das Leben eines Musikers auf Tour so abläuft.

Um alles zu erfahren, was Ande mir in 17 Minuten so erzählt hat, müsst ihr das Interview lesen. Eins kann ich mal kurz vorab verraten, ich habe ihn zum Schwitzen gebracht. Naja, einige Dinge hat „Mann“ einfach nicht im Kopf. Aber lest selbst!

Im Interview mit Ande von Kissin‘ Dynamite

Angelina: „Album Nummer 6! Aber die wievielte Tour ist das jetzt für euch?“

Ande: „Uhh, gut die Frage, die hat noch niemand gestellt. Also ich würde sagen, zu jedem Album gab es eine Tour. Das sind dann schon mal sechs. Dann gab es ja auch noch zahlreiche Supporttouren.“

Angelina: „Ich mache es dir noch ein bisschen schwerer: Wie oft warst du mit der Band schon in Köln?“

Ande: „Oh man, du stellst ja Fragen, schwierig, also ich glaube auf jeden Fall auf jeder Tour und dann gab es auf jeden Fall noch ein Showcase. Also ich glaube so um die neun Mal.“

Angelina: „Gibt es irgendwas, was Köln besonders macht?“

Ande: „Neben dem Karneval, dem Kölsch, dem Rhein und dem Dom würde ich sagen, dass die Leute aufgeschlossener sind. Wir sind ja Schwaben und denen sagt man ja nach, dass sie so sehr engstirnig sind und nicht sehr aufgeschlossen. Das ist ein Klischee. In Köln auf jeden Fall anders.“

Angelina: „Was würdest du sagen hat sich im Allgemeinen verändert – in den Jahren, in denen ihr auf Tour seid?“

Ande: „Eine Sache ist auf jeden Fall: dass wir glücklicherweise feststellen, dass die Venues, in denen wir spielen, immer größer werden. Da wir eben auch die kleineren Läden kennen, wissen wir Vor- und Nachteile zu schätzen. Also wenn du zum Beispiel in einem kleineren Laden spielst, ist die Stimmung meistens direkt von Beginn an intensiv. Immer wenn sich die Leute so nah sind, entsteht so eine Magie. In größeren Locations ist das etwas schwieriger, nicht unmöglich, aber etwas schwieriger. Dafür ist es aber toll, Platz auf der Bühne zu haben und dass die vollständige Produktion aufgebaut werden kann.“

Angelina: „Was findet man so auf eurem Catering-Rider, was darf auf keinen Fall fehlen?“

Ande: „Also auf jeden Fall ist uns gutes Essen am wichtigsten. Denn du bist, was du isst! Das muss passen. Ansonsten sind wir große Bierliebhaber. Am liebsten ist uns Bitburger. Ich glaube, wir sind recht unkompliziert. Seit kurzem haben wir einen guten Wodka eingefügt in den Rider. Bevor wir auf die Bühne gehen, trinken wir einen kleinen Wodka Shot zusammen. Das ist genauso zum Ritual geworden, wie wir uns anfausten und umarmen und den Spruch: „Bring back Stadium Rock“ sprechen.“

Angelina: „Bezüglich eures Supports, sucht ihr euch den selber aus?“

Ande: „Ja auf jeden Fall. Wir sind sogar schon in der glücklichen Position, dass sich Bands bei uns bewerben, um mit uns zu spielen. Gerade jetzt mit den Jungs von John Diva. Wir hatten schon so eine gute gemeinsame Zeit zusammen, als wir uns kennengelernt haben auf der Full Metal Cruise. Es passte einfach menschlich von Anfang an und dann auch noch musikalisch. Wobei uns das Menschliche echt wichtiger ist. Was bringt dir jetzt eine Band, die vielleicht gute Musik macht, die du aber nicht gut ausstehen kannst. Man verbringt so viel Zeit zusammen und wenn das nicht passt, dann ist das scheiße.“

Angelina: „Wenn ihr so viele Tage gemeinsam unterwegs seid. Kommen da Eigenarten von einzelnen zum Vorschein? Oder gibt es überhaupt welche?“

Ande: „Ja, Eigenarten gibt es da viele. Also ich kann sagen, wir kennen uns in- und auswendig. Das kann ich vorwegnehmen. Jeder kennt die Schwächen des anderen, aber auch die Stärken. Die Schwächen zu kennen ist ganz wichtig, denn nicht jeder ist immer gut gelaunt und topfit. Das ist ja menschlich. Das sind ja ganz unterschiedliche Dinge. Dann gibt es eine schlechte Nachricht von Zuhause oder sonst irgendwas. Wir sind seit 12 Jahren Seite an Seite unterwegs und da weiß ich ganz genau, wenn einer der Jungs ein schlechtes Gesicht macht, den spreche ich jetzt eben mal nicht an.“

Angelina: „Man kann also sagen, ihr seid sehr eingespielt?“

Ande: „Absolut! Es ist wie in einer Beziehung. Da gibt es auch mal Streit und man muss nicht immer einer Meinung sein. Aber am Ende des Tages wird man sich dann aber auch wieder bewusst, was man an dem anderen hat.“

Angelina: „Ich habe jetzt mal ein paar halbe Sätze für dich, die du bitte zu Ende führst.

…Ein guter Backstagebereich besteht aus…“
Ande: „… vielen großen Räumen.“

Angelina: „Wenn ich könnte, wie ich wollte…“
Ande: „… dann würde ich es wieder genauso machen.“

Angelina: „Das Musikerleben ist…“
Ande: „… härter als man denkt.“

Angelina: „Wenn du nicht der Musiker bei Kissin‘ Dynamite wärst, welche Rolle aus der Crew würdest du übernehmen wollen?“

Ande: „Ich wäre glaube ich der Gitarrentechniker. Denn ich glaube, das kann ich am besten.“

Angelina: „Lieber Ande, das Schlusswort geht an dich. Möchtest du etwas loswerden?“

Ande: „Vielen Dank Köln, dass wir hier sein dürfen. Vielen Dank für „Sold out“. Nur ihr macht es möglich. Vielen Dank an K&M für die Mikroständer und für euren Support und vielen Dank für das Interview.“

„Europe in Ecstasy Tour“ – alle sind bereit für das Konzert

Die Zeit hinter den Kulissen vergeht mal wieder wie im Flug. John Diva and the Rockets of Love sind startklar und eröffnen den Abend. Es geht von Beginn an heiß her und dem Publikum wird ordentlich eingeheizt. So langsam machen Kissin‘ Dynamite sich fertig für die Bühne. Der Eye-Liner wird aufgetragen und die Bühnenoutfits angezogen.

Es geht los, gemeinsam trinken die Jungs einen kleinen Wodka Shot, nehmen sich in den Arm und ab geht es auf die Bühne.
Die Kantine in Köln, eine Venue mit einem 900erter Fassungsvermögen ist ausverkauft, die Halle bis auf den letzten Zentimeter gefüllt und die Kraft der 900 Menschen vor der Bühne wird deutlich. Das Konzert beginnt. Kissin‘ Dynamite werden lautstark und mit freudigen Gesichtern begrüßt.

Anders als beim Meet and Greet stehen nun auch zahlreiche Männer im Publikum. Es ist zu beobachten, dass die ersten 5-10 Reihen alle und ich betone ALLE Songs mitsingen können und, dass sich der ein oder andere in einer Art Parallel-Konzertwelt befindet. Das ist glaube ich genau das, wofür Musiker das überhaupt machen. Eine ganz besondere Energie liegt in der Luft.

Kissin‘ Dynamite überzeugen mit einer grandiosen Show

Das Set begeistert mit schnellen Songs, schönen Balladen, jeder Menge Pyrotechnik in Form von Feuerfontänen und einem weiblichen musikalischen Gast. Anna, eine der Sängerinnen der female Symphonic-Metal-Band „Exit Eden“, die auch auf dem aktuellen Album von Kissin‘ Dynamite zu hören ist, ist dabei und singt gemeinsam mit dem Frontmann Hannes. Eine tolle Rockstimme, die genial mit der Stimmfarbe von Hannes harmoniert. Das ganze Konzert ist eine Wohltat für Augen und Ohren.
Ich bleibe bis zum Schluss und schaue mir das gigantische Finale an. Der Pyrotechniker macht einen grandiosen Job und die Feuerwerksfontänen am Ende sind der Wahnsinn. Ich bin schwer begeistert.
Die Jungs kommen von der Bühne und sind klitsche nass bis auf die Haut und vermutlich gute 3 Kilo leichter. So ein Konzert von fast 2 Stunden ist schon eine körperliche Höchstleistung.

Ein Tourtag mit vielen tollen Erlebnissen geht zu Ende

Ich plaudere noch ein wenig mit den Jungs, verabschiede mich dann und mache mich auf den Weg zurück.
Ein Dank geht an die Band Kissin‘ Dynamite und an die Crew – vielen Dank, dass ich euch im Rahmen der #backstagestories von König & Meyer begleiten durfte. Es war toll bei euch und ich komme gerne wieder.
Bis dahin, wünsche ich euch noch eine fantastische Tour und weiterhin Erfolg. Ihr verdient es euch!