16.05.2019,

Backstage bei Eisbrecher – „Ewiges Eis“ in Oberhausen

Autor: Angelina (musikiathek.de) Kategorien: Backstage-BerichteInterviews

Eisbrecher waren Anfang Mai mit ihrer aktuellen 15-Jahre Eisbrecher Werkschau „Ewiges Eis“ auch zu Gast in der Turbinenhalle Oberhausen. Wir haben sie am 05.05. für euch Backstage begleitet.

Ein Tag durch das ewige Eis. Wahrscheinlich mussten sich Eisbrecher so einige dieser Wortwitze seit Beginn ihrer Tour anhören. Naja, wir haben Mai und… sagen wir mal so, das von mir gewählte Outfit (neben dem, dass es selbstverständlich schwarz ist) ist doch leider viel zu luftig für die Wetterverhältnisse dieser Tage. Auf ihrer „Ewiges Eis“ Tour machen Eisbrecher Halt in der Turbinenhallen in Oberhausen. Ich bin eingeladen, die Band und die gesamte Crew vor Ort zu besuchen, mit ihnen ein Interview zu führen, hinter die Kulissen zu schauen und natürlich mir das Konzert anzusehen.
Da es aus logistischen Gründen nicht möglich war, von Beginn der Aufbauarbeiten vor Ort zu sein, bin ich mit dem Manager Marco für 18 Uhr verabredet. Ich soll ihn anrufen, wenn ich vor der Halle stehe, er holt mich dann ab. Da ich vermeiden wollte, wieder in einen Ruhrgebietsstau der Extraklasse zu kommen, ein Derby im Fußball nicht auf dem Schirm zu haben oder schlicht und einfach irgendetwas Unerwartetes eintritt, das mich davon abhalten könnte, pünktlich vor Ort zu sein, bin ich nun gute 15 Minuten zu früh an der Turbinenhalle.
Wie war das nun nochmal mit meinem viel zu luftigem Outfit? Es ist kalt vor der Halle, ich stehe in mitten stürmischer Windböen, Tornado ähnlichen Lüftchen, gefühlt auf der Zugspitze. Vor dem Eingang auf der großen Treppe (für jeden der die Turbinenhalle kennt) stehen schon sehr viele Leute. Farblich gesehen passe ich hervorragend zu den Eisbrecher Fans. Mit schwarz ist man immer gut gekleidet, es schmeichelt der Figur, aber leider hält es nicht warm. Na gut, das mag vielleicht etwas übertrieben sein, aber zumindest treibt mich die Kälte dazu, mich schon etwas früher bei Marco zu melden und mich am Backstage Eingang abholen zu lassen.

Ein erster Blick hinter die Kulissen

Neben dem Eingang, in einem abgezäunten Bereich stehen zwei Nightliner und zwei riesige LKW`s, die ich Eisbrecher zuordne. Ich plane mir ein, später, wenn sich die Gelegenheit ergibt, genauer zu fragen wie die Band und die Crew unterwegs sind. Marco holt mich ab, bringt mich in die Halle und stellt mich dem Tourmanager vor. Ich soll ein paar Minuten warten, die Band ist gerade noch im Meet and Greet mit ein paar Fans.

Ich schaue mich in der großen Halle um. Die Bühne ist bereits vollständig aufgebaut und das Licht auf der Bühne ausgestellt. Die Getränketheken in der Halle werden gerade schon final vorbereitet, die Kühlschränke zu Ende aufgefüllt und die Theken sortiert. Selbst die ersten Security Positionen werden bereits besetzt und schon einige Absprachen getroffen. Ich kann gerade nicht so viel machen, außer mich noch ein wenig zu gedulden. Mir fällt spontan noch eine Interview Frage ein, die ich mir noch eben auf meinen Karten notiere. Ich mag diese kleinen besonderen Geistesblitze. Diese Fragen sind meist die besten. Kein langes Überlegen über Fragen, die die Band sowieso schon 40tausend mal beantwortet hat. Nein, oftmals kommen diese spontane Fragen, neben den natürlich gut recherchierten Fragen, viel besser an und werden viel ehrlicher beantwortet.

Die Band kommt in Begleitung ihres Tourmanagers in die Halle und ich bekomme nun mein erstes Foto gemeinsam mit der Band. Alle Jungs geben mir persönlich die Hand, stellen sich mir vor und ich sage kurz in zwei Sätzen, wer ich bin und was ich hier heute mache. Schnell formatieren wir uns gemeinsam im Lichtkegel und das erste Foto des Tages habe ich im Handy. Alex, der Sänger, kniet sich für das Foto seitlich neben mich und schaut hoch zu mir. Ich schaue nur kurz runter, nicke ihm zu und sage: „Ja so gehört sich das, das finde ich super, wie du mir zu Füßen kniest“ Er grinst und erwidert: „Ja, so macht man das halt“. Ich bedanke mich für das Foto und die Jungs verabschieden sich in den Backstage mit einem „Bis gleich“. Bis zum Interview soll ich noch ein wenig in der Konzerthalle warten. Man holt mich ab wenn die Band soweit ist.

Der Einlass beginnt

18:30 Uhr, Einlass, die ersten Fans kommen in die Halle. Die ersten 50 sind relativ schnell unterwegs und werden von dem Sicherheitspersonal ermahnt, nicht zu rennen. Die Plätze in den ersten Reihen sind beliebt und sehr hart umkämpft. Im Endeffekt geht aber alles sehr gesittet zu. Einige testen noch schnell, ob es besser ist in der zweiten Reihe seitlich zur Bühne zu stehen oder vielleicht doch mittig – dafür dann aber eher in der vierten Reihe. Es ist spannend, das aus der Ferne zu beobachten.

Die Band ist bereit – es geht zum Interview mit Eisbrecher

Es geht los, ich werde zum Interview abgeholt. Ich frage mal ganz vorsichtig, wie viel Zeit ich denn für das Interview habe. Die Antwort: „So 10 Minuten wären gut, schaffst du das“? Ich antworte ganz selbstbewusst darauf: „Klar, also ich schaffe das“. Gedanklich streiche ich schon mal ein bis zwei Fragen, bei denen ich vermute, dass sie den zeitlichen Rahmen definitiv sprengen würden.
Alex und Jürgen treffen vor dem Produktionsbüro des Tourmanagers auf mich. Man begrüßt mich erneut mit Handschlag, erkundigt sich nochmal nach meinem Namen, zu dem ich nun eine Eselsbrücke baue. Das Gesprächsthema der ersten 2 Minuten: Ist Angelina Jolie älter als ich und wen gab es zuerst und wer oder was ist eigentlich Tomb Raider? Okay, gedanklich eine weitere notierte Frage gekürzt 2.0.
Das gesamte Interview verläuft sehr entspannt. Alex und Jürgen beantworten mir jede Frage sehr ausführlich und wechseln sich in ihren Antworten ab. Sie plaudern ein wenig aus dem Nähkästchen und zwischendurch gibt es regelrechte Gedankenpausen und ich werde dafür gelobt Fragen zu stellen bei denen, Wortlaut Alex: Er so richtig die Birne anstrengen muss.

Nach 15 Minuten klopft es an der Tür und man fragt mal ganz vorsichtig, wie lange ich denn noch bräuchte. Ich tippe auf ca. 2 Minuten. Na gut, auch daraus wurden dann doch noch weitere fünf Minuten. Damit klettern Eisbrecher auf meiner Interview Zeitliste auf Platz eins. 20 Minuten im ewigen Eis (ein erneuter Wortwitz, den man sich einfach nicht verkneifen kann). Aber in diesem Fall auch gar nicht wirklich passend. Alex und Jürgen war super lieb, sehr zuvorkommend und nach meiner Einschätzung hat das Interview den beiden sehr viel Spaß gemacht, doch lest selbst:

Im Interview mit Eisbrecher

Angelina:
15 Jahre Eisbrecher. Im Jahr 2019 ist es schon das 16ste Jahr. Könnt ihr mir ein paar Meilensteine nennen?

Alex: Wenn man 15 Jahre in einer Band spielt, da muss man es nicht immer so genau nehmen.
Jürgen: Genau, als ich dazu kam, ging es steil nach oben, ab 2006 gab es kein halten mehr (lacht)
Alex: Also, Gründung, Meilenstein logisch, man fängt an, findet einen Namen, findet einen Stil. Dann kommen die Musiker dazu. Die einen kommen, die anderen gehen. Am Anfang hat sich das Besetzungskarussell extrem gedreht und jetzt sind wir schon eine ganze Weile sehr stabil und das ist sehr schön. Das zeigt auch, dass eine gewisse Grundharmonie und manchmal natürlich auch Disharmonie herrscht, mit der aber jeder klar kommt. Gestern hatten wir erst wieder so ein Highlight und das, obwohl wir jetzt schon im Jahr 16 sind. Uns musste es also ganze 15 Jahre geben, um gestern vor den meisten Leuten aller Zeiten im Norden zu spielen auf unserem eigenen Konzert.
Also das macht einen stolz. Rückschläge haben wir bis jetzt, toi toi toi, weniger einstecken müssen. Es geht immer ein bisschen mehr nach oben. Wir können uns nicht beklagen, 15 Jahre ohne größere Ausreißer nach unten.

Angelina:
Gute und schlechte Zeiten wie in einer Daily Soap?

Alex: Eher gute als schlechte Zeiten, würde ich sagen.

Angelina:
Jahresurlaub, in das ewige Eis oder ab in die Wüste?

Jürgen: Für mich Wüste
Alex: Ich bin da immer Hü oder Hop. Ach ich weiß nicht. Wäre ich im ewigen Eis, würde ich jetzt in die Wüste wollen. Wäre ich in der Wüste, würde ich in das ewige Eis wollen. Jetzt bin ich genau dazwischen und weiß nicht, ob ich in das ewige Eis oder in die Wüste will.

Angelina:
Könnt ihr mir das beste Konzert oder Festival beschreiben, das ihr je erlebt habt? Es muss nicht euer eigenes sein.

Alex: Was besseres als uns? (Lacht) Ein Konzertereignis, das mich wirklich aus den Schuhen gehauen hat: Das war der Rammstein Dehzug, der mich in München mit hundertzwanzig anderen überfahren hat. Es war 1995 und 18DM hat es damals gekostet. Die Jungs waren so massiv. Das hat mich komplett weggehauen, da blieb kein Auge trocken.

Angelina:
Wenn ihr drei geschichtliche Personen zum Essen einladen dürftet, welche wären das und wäre einer von ihnen Rio Reiser?

Alex: Ne, also ich würde Rio Reiser nicht einladen, denn sonst könnte er mir sagen, was er von unserm „Menschenfresser“ halten würde?
Jürgen: Meinst du, es würde ihm nicht gefallen?
Alex: Ich glaube, er fände es ganz geil, dass überhaupt jemand dieses Thema nochmal nimmt. Es hat sich ja schließlich nichts geändert. Die Welt hat sich ja nicht in das Paradies verändert in den letzten 30 Jahren. Insofern denke ich, dass er sagen würde: „Danke, finde ich cool von euch. Hätte ich anders gemacht, ist mir zu Rumptata.“ Ob es ihm musikalisch gefallen hätte, weiß ich nicht. Also ich würde Rio Reiser, doch einladen, jetzt hast du mich darauf hingewiesen, aus der Nummer komme ich jetzt nicht mehr raus. Dann nehme ich noch Julius Cäsar, weil den wollte ich mal fragen wie das war mit Cleopatra. Ob das alles so stimmt und ob sie wirklich so schön und sexy war.
Und dann nehmen wir noch Jesus. Ich glaube, das wäre eine sehr interessante Runde und ich würde sogar mal die Fresse halten. Jürgen, wer wäre es bei dir?
Jürgen: Franz Josef Strauß, Kinsky und als dritten Gerhardt Polt als Polster oder so.

Angelina:
Wir sprechen ja gerade über Essen. Was ist denn euer Lieblings Backstageessen?

Alex: wenig!
Jürgen: Ja vorher wenig, nachher fettig

Angelina:
Wenn ihr ein Video von einer bestimmten Situation haben könntet, die euch Backstage mal passiert ist. Welche Situation wäre das?

Alex: Achim, generell! Unser Trommler Achim ist immer eine mitlaufende Kamera wert. Ihn könnte ich mir glaube ich, tagelang anschauen. Das ist so ein bisschen so wie Haustiere, denen könntest du tagelang und stundenlang zuschauen, weil die immer drollige Sachen machen. Unser Achim ist so drollig und dann hat der so einen furztrockenen Humor. Jede Bewegung, wenn er was sucht ist es so lustig, wenn er sitzt ist es lustig, egal was er macht. Wenn er den Raum betritt, wenn er den Raum verlässt und wenn er nur da ist. Der Mann braucht eigentlich eine Dailyshow mit einer 24 Stunden Überwachung und die Welt wäre wahrscheinlich eine friedlichere.

Angelina:
Eine kurze Speedrunde…

…Bier oder Wein?
Jürgen: Bier

…Cola oder Wasser?
Alex: Wasser

…Pizza oder Nudeln?
Jürgen: beides

…Gemüse oder Obst?
Alex: keines

…Süßes oder Saures?
Jürgen: Süßes

…Fernseh schauen oder Playstation spielen?
Alex: keines

… Dusche im Hotel oder Backstage?
Jürgen: Hotel!

…Gemeinschaftsraum oder Einzelzimmer?
Alex: Gemeinschaftsraum

Angelina:
Eine letzte Frage an euch. Wenn ihr nicht die Musiker auf der Bühne wärt, welche Rolle aus eurer Crew würdet ihr übernehmen wollen?

Alex: Wow vielen Dank, also darf ich dich nächstes Mal fragen wenn ich mal Fragen brauche? Also das macht echt Spaß, da muss man echt seine Birne anstrengen.
Also hätte ich die Physis, dann wäre ich Nico, unser Securitychef. Dann wäre ich als Personenschützer unterwegs und würde aufpassen, dass nichts passiert. Also… boar aber… na dann passiert irgendwas und dann hängt dein Kopf in der Schlinge.
Jürgen: Vielleicht Bercher, aber da darfst dich dann auch nicht verzählen. Vielleicht der FOH Mann?
Alex: Und dann geht was schief und die halbe Anlage fällt aus, Oh Gott. Also, hier ist meine Antwort: Ich wäre nicht in diesem Business wenn ich kein Musiker wäre. Ich habe vollsten Respekt vor wirklich allen. Die haben alle soooo viel Verantwortung. Ob das nun der Tourmanager oder der Tonmann ist, boar ne – ich wäre zu feige. Die stehen alle so früh auf und sind als erstes vor Ort und als letzter wieder weg. Ne Ne, also ich möchte nicht tauschen.
Jürgen: Ja und die können alle auch soviel, ich wäre viel zu unterqualifiziert und müsste mich da richtig reinfuchsen.

Die letzten Vorbereitungen laufen, bevor Eisbrecher die Bühne betreten

Mittlerweile ist die Halle bereits bis hinten gefüllt und die Supportband Faelder steht in den Startlöchern. Das „schwarze Meer“ wird angeheizt.
Ich drehe noch ein paar Runden in den Backstagbereichen. Die Gänge sind aber weitestgehend leer und es ist ziemlich still. Im Catering sitzen ein paar wenige Leutchen und stärken sich noch vor Beginn der Eisbrecher Show.

Zwei der Crewmitglieder treffe ich in ihrem Backstage an und frage kurz, ob ich ein Foto machen darf. Ich erkundige mich nach dem Aufbau und erfahre an dieser Stelle, dass sie tatsächlich mit zwei 40 Tonnern auf Tour sind, die es jeden Tourtag gilt aus- und einzuladen. In der Turbinenhalle, und das ist an dieser Halle eben etwas anders, muss die gesamte Produktionstechnik per Lift hochgefahren werden. Das kostet einiges an Zeit erzählt man mir. Die Curfew ist auf 23 Uhr angesetzt und danach würde man direkt mit dem Abbau beginnen. Die Abfahrt von der Turbinenhalle ist für 2:30 Uhr geplant. Man ist zu diesem Moment auch optimistisch, dass es kein Problem ist, den Zeitplan einzuhalten.

Eisbrecher live in Oberhausen – das Konzert beginnt

Ich begebe mich mit den anderen Fotografen von sämtlichen Magazinen an den Bühnengraben und freue mich auf ein eindrucksvolles Konzert. Der fallende Vorhang, der das Konzert einleitet, lässt mich Großes erwarten. Der Vorhang fällt, es geht los. Tosender Applaus. Ein sehr schönes Bühnenbild kommt zum Vorschein. Der Schlagzeuger Achim spielt auf einem riesigen Podest. Drei Songs lang fotografiere ich das Konzert aus dem Bühnengraben heraus und bin beeindruckt, wie viel farbiges Licht genutzt wird. Warum auch immer habe ich mir das alles sehr viel düsterer vorgestellt und bin positiv überrascht. Die Lichtshow ist der Wahnsinn. Achso und welche Band kann denn von sich behaupten, es schneien lassen zu können im Konzert. Es rieselt von der Bühnendecke, der Bühnenboden ist bereits weiß. Beeindruckend schön.

Ich schaue mir das Konzert noch eine ganze Weile an. Immer wieder auch in das Publikum. Eisbrecher haben sich über die jetzt 16 Jahre Bandgeschichte scheinbar sehr treue Fans erspielt. Zumindest sehen diese sehr glücklich und zufrieden aus und sind, nicht anders zu erwarten, sehr textsicher.

Ein schöner Abend geht zu Ende

Ich verabschiede und bedanke mich kurz vor Ende der Show und trete den Heimweg durch das ewige Eis, ich neige zu Übertreibungen, an. Ich behalte das Eisbrecher Konzert als ein sehr schönes Konzert in Erinnerung, das wenig mit eisiger Kälte zu tun hatte, viel mehr mit gemütlicher Wohlfühltemperatur. Danke liebe Eisbrecher, ich besuche euch gerne wieder!